Erinnerungsorte der deutsch-sowjetischen Geschichte
Die Berlin–Blockade (24. Juni 1948–12. Mai 1949)
Am 24. Juni 1948 sperrte die sowjetische Besatzungsmacht den Zugang nach West-Berlin auf dem Land- und Wasserweg; Kraftwerke im Osten der Stadt lieferten keinen Strom mehr in die drei Westsektoren, die schließlich weitgehend abgeriegelt wurden. Der Grund für diese Maßnahmen, die gegen geltende Vereinbarungen der Alliierten verstießen, lag in der zunehmenden Verschärfung des Ost-West-Konflikts und in der gleichzeitig fortschreitenden Teilung Deutschlands. Meilensteine auf diesem Weg waren die Beschlüsse der Londoner Sechs-Mächte-Konferenz, die zwischen Februar und Juni 1948 ohne Vertreter der Sowjetunion tagte, sowie die Währungsreform, die am 20. Juni 1948 zunächst in den drei Westzonen und wenige Tage später auch in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Deutschlands vollzogen wurde.
Durch die Blockade waren die Westsektoren der Stadt von Lebensmitteln und Brennstoffen abgeschnitten. Die sowjetische Führung setzte darauf, dass sich die West-Berliner (rund 2,2 Millionen Menschen) sich im Ostteil der Stadt versorgen und dazu ihre Lebensmittelkarten dort anmelden würden. Doch Stalins Rechnung ging nicht auf. Um eine Aufgabe der Westsektoren und damit eine Niederlage im beginnenden Kalten Krieg zu vermeiden, antworteten die Westalliierten auf die sowjetische Blockade mit einem Handelsembargo gegen die SBZ – und mit einer Luftbrücke nach West-Berlin. Bereits am 26. Juni landeten erste Transportmaschinen auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof. Vor allem amerikanische und britische Maschinen brachten bis zum Ende der Luftbrücke am 30. September 1949 in mehr als 277 000 Einsätzen 2,1 Millionen Tonnen Versorgungsgüter, darunter rund 1,4 Millionen Tonnen Kohle und fast 487 000 Tonnen Lebensmittel.
Die Luftbrücke war nicht nur Voraussetzung dafür, West-Berlin dauerhaft der sowjetischen Kontrolle zu entziehen, sondern ermöglichte es dem „freien Westen“ auch, die Sowjetunion als gefährlichen Aggressor darzustellen. Zudem wurden in Westdeutschland die Kräfte gestärkt, die für einen provisorischen Teilstaat unter amerikanisch-britisch-französischem Schutz plädierten und die Teilung Deutschlands in Kauf nahmen. Im Mai 1949 wurde die Blockade West-Berlins weitgehend und im Herbst des Jahres endgültig aufgehoben. Damit wurde auch die Luftbrücke überflüssig.
Erinnerung
In der deutschen Erinnerungskultur nehmen die Berlin-Blockade und noch mehr die Luftbrücke einen prominenten Platz ein - als erster großer Schritt zur Westbindung der Bundesrepublik noch vor ihrer Gründung. Sinnbildlich dafür steht das Bild der „Rosinenbomber“, die zum 70. Jahrestag der Luftbrücke im Juni 2019 erneut über Deutschland flogen. In Berlin, Frankfurt am Main und Celle stehen Luftbrückendenkmäler aus den 1950er und 1980er-Jahren.
In der russischen Erinnerungskultur spielen Berlin-Blockade und die Luftbrücke dagegen keine große Rolle.
Erinnerungsort: Luftbrückendenkmal am eh. Flughafen Berlin-Tempelhof (=Platz der Luftbrücke)
Eines der bekanntesten Denkmäler zur Erinnerung an die Blockade West-Berlins und ihre Opfer wurde 1951 an der Grenze zwischen den Berliner Ortsteilen Tempelhof und Kreuzberg am Platz der Luftbrücke eingeweiht. Die 20 Meter hohe Stahlbetonskulptur des Architekten Eduard Ludwig (1906–1960) hat die Form eines Brückenbogens, aus dem drei Rippen herausragen, die die drei Luftkorridore zwischen den drei West-Berliner Flughäfen Gatow, Tempelhof und Tegel und den drei von den westlichen Alliierten besetzten Zonen Frankfurt am Main, Hannover und Hamburg symbolisieren.
Eine Bronzetafel am Sockel des Luftbrückendenkmals erinnert an die englischen, amerikanischen und deutschen Arbeiter, die bei der anspruchsvollen Hilfsaktion ums Leben kamen: Bis zu tausend Starts und Landungen westalliierter Flugzeuge fanden während der Blockadezeit auf dem Flughafen Tempelhof statt. Neben dem Denkmal stehen zwei Verkehrs- und Transportflugzeuge der Douglas Aircraft Company, die eine wichtige Rolle bei der Versorgung der West-Berliner Bevölkerung mit Lebensmitteln spielten.
Vitalij Fastovskij
Beschreibung des Ortes: Maria Timofeeva
Das Luftbrückendenkmal in Berlin-Tempelhof, 2006 ("-jkb-"/ WikiCommons, CC BY-SA 3.0)
Eine C-54 landet in Berlin-Tempelhof, 1948 (Henry Ries / USAF, CC0)
Literatur
- Stefan Creuzberger: Die Erste Berlin-Krise 1948/1949. Die sowjetische Blockade. In: Horst Möller, Helmut Altrichter, A. O. Čubarjan (Hrsg.): Deutschland-Russland: Stationen gemeinsamer Geschichte, Orte der Erinnerung, Bd. 3: Das 20. Jahrhundert, Oldenbourg Verlag, München 2014, S. 187–196
- Alexei Filitow: Die Erste Berlin-Krise 1948/1949. Die Besiegelung der Teilung Deutschlands. In: Horst Möller, Helmut Altrichter, A. O. Čubarjan (Hrsg.): Deutschland-Russland: Stationen gemeinsamer Geschichte, Orte der Erinnerung, Bd. 3: Das 20. Jahrhundert, Oldenbourg Verlag, München 2014, S. 197–206
- Roger G. Miller: To Save a City: The Berlin Airlift, 1948–1949. Texas A & M University Press, College Station, TX 2000
Onlinequellen
- Berlin Airlift. A USAFE Summary (archive.org)